Aktuelle Spielberichte von Christopher Herla

08.11.2019: SV Schwanfeld II – TSV Röthlein 9:7 (33:27 Sätze)

Wenn man einen Erfolg schon deutlich vor Augen hat, und Nuancen am Ende fehlen, ist die Enttäuschung über das Verpasste umso größer. Sie kann dann sogar dafür sorgen, dass man in eine Lethargie verfällt und Dinge schlechter sieht als sie eigentlich sind. Ob es dem Großteil der ersten Mannschaft des TSV seit der denkbar knappen Niederlage gegen Schwanfeld II so geht, ist nicht bekannt. Aber der ein oder andere dürfte sich an diesem Freitag Abend ziemlich leer gefühlt haben. Nach einem wie in Schwanfeld üblichen Krimi blieb dem TSV am Ende nichts als das Gefühl, eine große Chance teilweise leichtfertig verpasst zu haben.

Mit annähernd voller Kapelle – nur eine angebrochene Rippe von Joe verhinderte den ersten Auftritt der Saison ohne Ersatzspieler – nahmen die Optimisten beim TSV schon im Geheimen den Taschenrechner in die Hand und rechneten sich leise ein paar Chancen aus. Zumal bereits hier schon klar war, dass man den Rest des Kalenderjahres auf den 1er Christian verzichten muss und die Mannschaft, die in Schwanfeld antritt, das stärkste Aufgebot der gesamten Hinrunde sein würde. Nach den Doppeln, bei denen diesmal das sonstige 2er-Doppel Schlegel/Herla zunächst erfolgreich das 1er-Doppel bildete, sah es auch ganz gut aus. Der wieder halbwegs genesene und sich in den Dienst der Mannschaft stellende Andi Strauß sorgte mit seinem Doppelpartner Vitalis für die 2:1-Führung vor den Einzeln. Hier musste man allerdings schnell konstatieren, dass die Röthleiner ihre Chancen, die wirklich zahlreich vorhanden waren, nicht in Siege ummünzten. Wie ein Löwe, der gerade genussvoll in seine Beute beißen will und dann eine Maulsperre bekommt standen die Mannen des TSV an der Platte und nahmen die Angebote der Gegner nicht an. Christian bekam gegen Stefan Kirsch massenhaft hohe Bälle serviert, die er ihm im Normalfall so um die Ohren haut, dass sie Tage danach noch davon schlackern würden und Vitalis verschlief erst die ersten beiden Sätze gegen Ludwig Kanski, um dann nach erfolgreicher Aufwachphase eine 10:5-Führung im vierten Satz zu vergeigen. Besser machten es Andi und Christopher im zweiten Paarkreuz, die Michael Räder zweimal eine 5-Satz-Niederlage einbrachten und so drei der vier möglichen Punkte „in der Mitte“ besorgten. Ersatzmann Uwe hingegen sah erst sicher gegen Monika Räder aus, ließ sich dann aber die Butter vom Brot nehmen. Und auch Vadim, der seit Monaten mit wenig Trainingseinheiten und schichtbedingten Ausfällen zu kämpfen hat, blieb blass und war gegen die Schwanfelder Offensivwaffen Kirsch und Köhler nicht zu beneiden. Das Match war aber den gesamten Abend spannend ohne Ende, da sich zu keinem Zeitpunkt ein Team wirklich absetzten konnte. So kam es, wie es kommen musste und das Schlussdoppel hatte zu entscheiden, ob sich der TSV für seinen achtbaren und gleichzeitig schludrigen Auftritt noch ein Pünktchen verdient/ergaunert. Doch Vadim und Christopher wurden von ihren Gegnern vernascht, als ob sie nur zwei Portionen glibbrige rote Grütze von Dr.Oetker wären. Da wurde allen klar, dass Röthlein vielleicht vorher schon wenigstens ein Spiel mehr hätte gewinnen müssen…

Match of the Day: V.Eirich – M.Räder 3:0 (11:4, 11:7, 11:3)

Entgegen aller Erwartungen, beim Match of the Day über einen der 5-Satz-Siege von Andi (der zweifelsohne und gerade nach seiner langen Verletzung ein ganz besonderer Auftritt war und jeglichen Respekt verdient) oder Christopher gegen Michael Räder lesen zu dürfen, entscheidet sich das Gremium diesmal für einen schnellen und actionlosen 3:0-Erfolg von Vitalis. Warum? Weil dieser Sieg zeigt, was passieren kann, wenn man sich auf das besinnt, was man kann und alles kurz zuvor Erlebte ausblendet. Vitalis hatte ein dramatisches Match gegen Ludwig Kanski, das ihn innerlich im Tiefsten getroffen haben dürfte und auch seine Selbstüberzeugung auf sportlicher Ebene empfindlich beschädigt haben könnte. Dennoch blendete er dieser Achterbahn der Gefühle, als er erst völlig überraschend zwei Sätze lang überrannt wurde, dann den Turnaround schaffte und das Spiel klar im Griff zu haben schien, um kurze Zeit später eine 10:5-Satzführung sang- und klanglos aus der Hand zu geben und das Match zu verlieren, im zweiten Spiel komplett aus und spielte gegen Monika Räder so bedacht und ruhig, wie es nur die Wenigsten mit dieser Vorgeschichte schaffen würden. Vielleicht war da auch ein bisschen Angst, die ihn ein Stück weit lähmte, doch nach außen wirkte Vitalis souverän und absolut über allem stehend. Als Vorbild für so manchen Heißsporn, der sich zu schnell aus der Ruhe bringen lässt, und nach so einem ersten Match im zweiten nicht mal im Ansatz noch irgendwas auf die Beine stellen könnte, hat Vitalis also den Match-of-the-Day-Award verdient.

Punkte für den TSV: Schlegel/Herla 1, Strauß/Eirich 1, Lender 1, Herla 2, Strauß 1, Eirich 1

25.10.2019: RV Solidarität Schweinfurt – TSV Röthlein 9:4 (31:18 Sätze)

So langsam wird es rund um Röthlein etwas unruhiger. Die dritte Niederlage im vierten Spiel und der erneute Auftrag, zwei Spieler kompensieren zu müssen, machen sämtliche Erwartungen endgültig zunichte und lassen den TSV in einen Bereich der Tabelle blicken, der vielen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die ersten Ausläufer des Abstiegsstrudels haben Röthlein erreicht und der Wasserstand steigt auf ein lange nicht mehr da gewesenes Niveau.

Es begann alles noch ganz harmlos. Nach Doppeln und erstem Paarkreuz stand es 2:3, es war also alles noch möglich. Aber gegen die komplett angetretenen Gastgeber war in der Folge kaum noch ein Gras gewachsen. Joe und Rolf hatten mit der jeweiligen Spielweise ihrer Gegner nicht das beste Los gezogen, versuchten aber das Beste rauszuholen. Doch mehr als ein Satz war nicht drin und als die ersten Einzel vorbei waren, war Soli schon auf 7:2 davon gezogen. Christian und Christopher, die heute bereits zum zweiten Mal in dieser Saison das erste Paarkreuz bildeten, hievten ihre Röthleiner im Anschluss mit zwei nicht ganz so erwarteten Siegen wieder ins Spiel zurück. Doch als das einzige 5-Satz-Match des Abends trotz Teilnahme von Mister 5-Satz höchstpersönlich an den Kontrahenten ging, war so ziemlich jedem klar, dass man auch heute wieder mit einem unschönen Ergebnis vorlieb nehmen musste.

Match of the Day: C.Lender – F.Gresser 3:1 (14:12, 5:11, 11:6, 11:7)

El Clasico in der BKL A, ein traditionsreiches Match zweier altgedienter Tischtennisprofis auf bundesweit zwar sehr überschaubarem Niveau, doch für Schweinfurter Verhältnisse schon definitiv einen zusätzlichen Blick mehr wert. Christian Lender gegen Frank Gresser! Ein ruhiger, besonnener und in erstem wie fünftem Satz gleichmäßig hydrierender Athlet gegen ein Kampfschwein, das nach jedem Spiel gezeichnet ist und dem Main eine neue Nebenader verpassen könnte, weil er (außer Schweiß) nie etwas verloren gibt! Das Aufeinandertreffen an diesem Abend war nach zuletzt zwei Siegen in Folge für Christian die Chance, eine richtige Erfolgsserie zu erzeugen und das tat er in einer unnachahmlichen Art und Weise. Trotz, dass es das zweite Einzel für Christian war – also insgesamt das zehnte Match des Abends – hatte zuvor kein anderer Röthleiner Spieler und auch kein Doppel auch nur einen engen Satz für sich entscheiden können. Mental gesehen lieferte der Röthleiner Einser also das Vorbild für seine Mitstreiter und konnte dadurch auch den wichtigen ersten Satz des Prestigeduells für sich entscheiden. Geschlagen war Frank Gresser damit freilich noch lange nicht und konterte seinerseits prompt mit einem humorlosen 11:5. Doch Christian spielte sich in der Folge in einen Rausch und bremste den Kontrahenten mit 11:6 und 11:7 - inklusive eines von ihm noch nie da gewesenen Emotionsausbruchs nach einem hart umkämpften und doch verlorenen Punkt - gekonnt aus. Damit baut er seine persönliche Saisonbilanz auf 6:1 aus und geht in einer schweren Zeit für seine Mannschaft leistungstechnisch vorne weg.

Punkte für den TSV: Lender/Kern 1, Lender 2, Herla 1

11.10.2019: TSV Waigolshausen II – TSV Röthlein 9:3 (28:19 Sätze)

Es gibt Abende, da funktioniert nichts wie es soll. Da entscheiden sich reihenweise enge Spielverläufe permanent und fast schon provokant immer für den Gegenspieler und bringen einen regelrecht zur Weißglut. Daraus resultieren Ergebnisse, die so deutlich erscheinen und doch auch ganz anders hätten lauten können. Sonst so ruhige besonnene Spieler beschweren sich über Kantenbälle, Netzroller und dem generellen Glück des Gegenübers, andere schweigen einfach nur der Höflichkeit halber. Dem TSV Röthlein ereilte dieses Schicksal im Auswärtsspiel bei Waigolshausen II. Einmal mehr musste man betroffen und mit leeren Taschen die Heimfahrt antreten, während der Gegner einen vermeintlichen Kantersieg bejubelte, der die Tabellenlage ein kleines bisschen auf den Kopf stellt.

Alles fing ganz gut an, als das ungewohnte Zweierdoppel Schlegel/Gill parallel zum nahezu unschlagbaren Spitzendoppel Lender/Kern ihr Match erfolgreich gestalten konnte. In beiden Spielen waren die Gegner nicht nur unterlegen, sondern wurden derartig an die Wand gespielt, dass diese schon bröckelte und die Gemeinde Waigolshausen beinahe eine neue Halle wegen irreparablen Schäden der alten in Auftrag hätte geben müssen. Doch leider war danach nicht mehr viel Firepower beim Gast vorhanden, was grundsätzlich daran lag, dass das Momentum immer mehr auf die Seite der Waigolshäuser wanderte.

Es war nicht nur die Tatsache, dass die Heimmannschaft eine unüblich hohe Siegquote von 66,6 Prozent bei knappen Sätzen (hier einberechnet sind all die Sätze, die mit zwei Punkten Unterschied enden) vorzuweisen hatte. Auch die sich häufenden Netzroller und Kantenbälle zum Ende dieser Sätze sorgten bei vielen Röthleinern für blankes Entsetzen. So mussten Christian als auch Vadim ihre Spiele mit 9:11 im fünften Satz hergeben, nachdem der Gegner beim Stande von 9:9 jeweils zwei „Bauern“ produzierte. Dennoch zeigte Waigolshausen aber auch überzeugende Leistungen, so dass die Röthleiner Niederlage am Ende nicht so unverdient war wie es sich für manchen beim Betrachten dieser Zeilen anhört. Vitalis bekam zum Beispiel ordentlich auf die Mütze gegen Noppenaußen-Spieler Frank Mützel, was für ihn doppelt ärgerlich war, da er sein zweites Einzel überragend gewinnen konnte, welches allerdings durch ein – wie soll es anders sein – 11:9 im fünften Satz beim vorherigen Match von Joe gegen eben jenen Mützel nicht mehr zählte. Auch die beiden Ersatzspieler Uwe und Frank konnten leider in ihren Einzeln keine Überraschung erzeugen, so dass die Punkte eben doch auch ein Stück weit verdient in Waigolshausen blieben.

Match of the Day: V.Schlegel/U.Gill – M.Weiß/C.Braun 3:1 (11:9, 11:2, 5:11, 11:5)

Als der Abend noch jung und die Kräfte noch frisch waren, lieferten die beiden Röthleiner Vadim und Uwe ein klasse Spiel ab, das den Match-of-the-Day-Award schon allein  deshalb verdient hat, da beide bislang erst ein einziges Mal zusammen an der Platte standen. Auch damals, am 8. Februar 2019, wurden sie zum Match des Tages gekürt. Nun also wieder und diesmal ist es noch nicht einmal die Spannung und Dramatik gewesen, die für die Nominierung sorgte, sondern die Leistung selbst. Die war nämlich in Waigolshausen vom Allerfeinsten. Im zweiten und vierten Satz ließen sie nichts aus, um ihre Gegenüber ins Tal der Tränen zu katapultieren. Schade, dass nach diesem Coup schnell die Ernüchterung eintrat und die beiden ihre Glanztat nicht in den Einzeln wiederholen konnten. Es ist aber sicherlich von Vorteil, das Röthlein in der Lage ist, trotz völlig verschiedener Spielertypen immer wieder einige gute Doppelkombinationen an die Platte bringen zu können. Nach dem Desaster am ersten Spieltag ist der TSV zumindest in Sachen Doppel wieder voll auf Kurs und lehrt der Liga das Fürchten. Vadim und Uwe sind hierbei momentan die Aushängeschilder!

Punkte für den TSV: Lender/Kern 1, Schlegel/Gill 1, Lender 1

Christopher Herla

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